Heilig im ganzen Verhalten
June 2nd, 2010Heilig im ganzen Verhalten
Sondern so wie derjenige, der euch berufen hat, heilig ist, werdet auch ihr heilig in eurem ganzen Verhalten! (1. Petrus 1, 15)
Nun beginnt der absolute Höhepunkt dieses ersten Kapitels unseres Briefes. Die sechste Konsequenz des Christenlebens ist diese: Genau in derselben Art und Weise, in demselben Grad und Qualität wie Jesus Christus, der uns berufen hat heilig war und ist, sollen wir heilig werden. Es handelt sich hier nicht um eine Feststellung, wie die deutsche Übersetzung etwa andeuten könnte, nein, es ist ein Befehl. Ein Befehl von höchster Stelle: Werdet heilig, wie derjenige, der euch berufen hat! Euer ganzes Verhalten, euer kompletter Lebenswandel soll heilig werden, und zwar so heilig wie derjenige von unserem Herrn Jesus, als Er auf der Erde war und unter uns Menschen lebte. Es ist äußerst wichtig, dass wir zunächst festhalten: Petrus spricht hier vom Verhalten, vom Lebenswandel und nicht irgendwie von etwas undeutlich sichtbares wie das Herz. Es geht in diesem Abschnitt vor allem um das Sichtbare, um das, was andere Menschen an uns sehen und beurteilen können. In den Versen davor hat Petrus auch von weniger gut sichtbaren Dingen gesprochen: von der Hoffnung, vom Gemüt und von der Nüchternheit. Dann kam er zu den sichtbaren Auswirkungen der weniger gut sichtbaren Teilen: Gehorsam auf der einen, Begierde auf der anderen Seite. Nun, zu guter Letzt kommt das absolut Sichtbare, und zwar das, was jeder Mensch an uns erkennen kann. Das Verhalten. Wir haben in den Versen 13 – 15 eine fortwährende Steigerung der Erkennbarkeit: drei innere, eigentlich unsichtbare Haltungen, die sich durch zwei teilweise sichtbare Neigungen feststellen lassen, und je nach unserer Neigung das vollkommen nach außen sichtbare Verhalten bestimmt. Die innere Haltung lässt sich also durch das Verhalten feststellen und beurteilen.
Was ist ein heiliges Verhalten? Ein heiliges Verhalten bedeutet vor allem einmal Hingabe. Hingabe an Gott, die Sein Wort ernst nimmt und nicht hinterfragt, sondern praktisch auslebt. Es ist mit dem Verhalten des gehorsamen Kindes in Vers 14 schon sehr schön beschrieben. Ein gehorsames Kind weiß Gottes weiß, dass es heilig ist. Es lebt so, wie Gott das von ihm möchte, und der Heilige Geist in ihm bezeugt diese Heiligkeit auf vielfache Art und Weise. Er bezeugt es durch das innere Zeugnis und lässt das Kind deshalb Gott seinen Vater nennen. Abba ist das Wort, mit dem die aramäisch sprechenden Kinder ihren Vater ehrfürchtig hochblickend genannt haben. Deshalb tun wir sehr gut daran, Gott nicht mit demselben Wort anzusprechen wie unseren leiblichen Vater, denn unsere Gesellschaft kennt diese Ehrfurcht vor den Eltern längst nicht mehr. Der Heilige Geist bewirkt in uns als gehorsame Kinder Gottes diese notwendige Ehrfurcht und Demut, mit der wir Gott nahen müssen, damit Gott Sich nicht von uns zurückzieht. Dann bewirkt der Heilige Geist auch in uns, dass wir Gottes Willen erkennen und verstehen können. Er zeigt uns unsere Sünden und macht uns bereit zur Buße. Wenn wir einen Tag vor uns hinleben können, ohne dass Gott uns auf unsere Sünden aufmerksam macht, tun wir gut daran, zu überlegen, ob wir uns Gott wirklich in Demut nähern oder Ihn durch unsere Hochmut und Überheblichkeit zum Schweigen bringen. Er zeigt uns aber auch auf, wo wir unseren Mitmenschen helfen können und sollen. Doch Er zeigt uns auch, dass wir ein gehorsames Kind Gottes sind, wenn wir die Menschen dazu bringen, sich zu entscheiden. Und zwar manche mit uns für Gottes Reich, und manche gegen uns und gegen Gottes Reich. Wir sollen zwar keinesfalls diese Konfrontation suchen, sie kommt von allein, wenn wir gehorsame Kinder Gottes sind. Und das soll uns nicht erschrecken, sondern vielmehr ermutigen, indem es uns darauf hinweist, dass Gottes Geist durch uns wirkt. Der Widerstand ist von geistlicher Art und muss deshalb auch so verstanden werden. Er richtet sich gegen Gott, der uns als Seine Diener berufen hat. Wann hast du zum letzten Mal erlebt, dass dein Verhalten eine solche Unterscheidung gemacht haben?